Wie bereits in unserem voran gegangenen Blog-Eintrag erwähnt, hatte unser Forschungsprojekt ProKoB bei der Tagung für Projektmanagement und Vorgehensmodelle 2016 in Paderborn seinen ersten Konferenz-Auftritt. Doch nicht alles an unserer Präsentation stieß auf Gegenliebe. Insbesondere die Wortwahl unseres Referenten und Projektleiters Philipp Diebold hinsichtlich der Funktion eines Daily StandUps erhitzte so manches Gemüt. Doch was war passiert?

Zunächst lief alles nach Plan. Projektleiter Philipp Diebold präsentierte ProKoB überzeugend, ruhig und sachlich, übermittelte nach und nach die einzelnen Aspekte des Projekts und kam souverän zum Abschluss. Lediglich ein Aspekt stellte sich danach als unklar heraus, sodass diesbezüglich einige Fragen aufkamen. Sie drehten sich um die in ProKoB definierte Matrix, bestehend aus den Prozessartefakten (Anforderung, Entwurf, Implementierung, Test, Deployment) und den Prozessgruppen (Initiierung, Planung, Umsetzung, Controlling, Abschluss) der ISO12207. Deren Nutzen und Notwendigkeit für die ProKoB-Methodik war nicht ganz schlüssig, sodass unser Referent anhand von Beispielbausteinen die Matrix zu erklären versuchte.

Hierzu griff er unter anderem auf den Baustein „Daily StandUp“ zurück. Dieser fand sich in der Prozessgruppe Planung und aber auch Controlling wider. Ersteres stellte in den Augen der Konferenzteilnehmer kein Problem dar. Das Zusammenspiel von Controlling und Daily StandUp führte jedoch zu deutlichen Meinungsverschiedenheiten, die in eine immer angreifendere und persönlichere Diskussion mündeten. Ausgangspunkt war die Aussage Diebolds, ein Daily StandUp diene unter anderem der Kontrolle bzgl. der Arbeiten der Teammitglieder. Es entstand eine hitzige Diskussion, die mehr und mehr von dem eigentlichen Vortragsthema, nämlich ProKoB und dessen Vision, abwich. Selbst die Erläuterung der Aussage sowie eine leichte Revision dieser führte nicht zum gewünschten Effekt, zum ursprünglichen Inhalt des Vortrags zurückzukommen. Stattdessen schoss sich vor allem ein Teilnehmer auf diese Aussage ein und versuchte unseren Projektleiter darauf festzunageln, bloß zu stellen und inkompetent erscheinen zu lassen. Auch die mehrfache Erklärung, dass die Aussage eigentlich hätte bedeuten sollen, dass die Mitarbeiter selbst ihren Fortschritt kontrollieren können und nicht vom Management kontrolliert werden, beschwichtigte die Gemüter nicht.

Erst das Einschreiten von Dr. Linssen, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für Ökonomie und Management (FOM) Essen sowie Trainer, Berater und Coach u.a. für Agile Softwareentwicklung und Projektmanagement, setzte mit seinem klaren, unmissverständlichen Statement einen Schlussstrich: „Wir sind uns alle einig, dass die zur Verfügung stehenden Methoden keine Heilsbringer sind. Daher ist es umso sinnvoller, aus den Methoden die einzelnen Elemente zu filetieren, bereitzustellen und zu kombinieren. Vor diesem Hintergrund ist das eine brillante Idee“.

Trotz der teilweise heftigen Kommentare, war die PVM 2016 ein voller Erfolg. Nicht nur, dass das ProKoB jetzt ein heißt diskutiertes Thema war. Noch dazu erhielt unser Projekt durch dieses Statement und den Best Paper Award der PVM 2016 höchste Anerkennung. Zudem wurde die ausgearbeitete Präsentation von Philipp Diebold mehrfach von Konferenzteilnehmern aus Forschung und Praxis positiv hervorgehoben.

Doch was denken Sie über die Aussage, Daily StandUps seien auch eine Art Controlling Mechanismus? Ist sie völlig aus dem Kontext gerissen, ist vielleicht doch etwas Wahres dran oder war sie lediglich eine gezielte Provokation? Welche Erfahrungen haben Sie diesbezüglich bei der Anwendung und Durchführung von Daily StandUps gemacht – Monitoring oder doch auch ein wenig Kontrollinstrument?

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